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Great Game ums Erdöl und Erdgas in ZentralasienSipan Sedeek über das geo-strategisches Spiel der Weltmächte um Macht, Geld und Einfluß rund um das Kaspische Meer. |
![]() Sipan Sedeek AFA, Kandidat für das Referat für Internationales |
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Im Kaukasus und der Kaspischen Region werden riesige Erdölreserven vermutet. Bedeutet dies den Anbruch einer neuen Ära des Wohlstandes, oder ist es das Vorspiel zu einem Wettlauf der Großmächte um Einfluß und Macht? Der Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 und die Entstehung einer Reihe neuer Staaten im Kaukasus und Zentralasien haben eine neue geopolitische Situation geschaffen. Das Sprachrohr der internationalen Finanzwelt - das britische Wochenmagazin "Economist" - formulierte besonders pointiert: "Sie (die Erdölfirmen und Regierungen) und jeder Hai östlich vom Suez haben begriffen, daß in den nächsten Jahren das größte aller Spiele in der Kaspischen Region gespielt wird." US-amerikanische Experten schätzen, daß sich in der kaspischen Region Reserven von bis zu 200 Milliarden Barrel Erdöl befinden. Zum Vergleich: Saudi Arabien - das Land mit den weltweit größten Erdölvorkommen - besitzt Reserven in der Höhe von 260 Milliarden Barrel. In dieser Erdöleuphorie hat 1994 das von BP-Amoco geführte Konsortium AIOC allein mit Aserbaidschan Verträge mit einem Volumen von über 40 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Parallel dazu hat ein großes Tauziehen um neue Erdölpipelines eingesetzt. Die existierenden Pipelines sind zu schwach, um die zu erwartenden Förderkapazitäten zu transportieren. Bis vor kurzem existierte nur eine kleinere Pipeline von Baku durch Dagestan und Tschetschenien bis zum russischen Hafen Noworssisk am Schwarzen Meer (mit einer Landverbindung nach Kasachstan). Seit Mitte März gibt es nun eine neue Pipeline, die von Baku durch Georgien bis zum Hafen Suspa - ebenfalls am schwarzen Meer - verläuft. Doch auch das Fassungsvermögen dieser Pipeline gilt als zu gering (beide Leitungen können jährlich etwa 5 Millionen Barrel pumpen), weswegen die konfliktträchtigen Verhandlungen um eine zusätzliche, große Pipeline weitergehen. Es werden jedoch noch größere Erdgasvorkommen vermutet. Die am Kaspischen Meer gelegene Republik Turkmenistan verfügt beispielsweise über eines der weltweit größten Gasvorkommen. Die geostrategische Bedeutung dieser Region steht außer Zweifel. Wer den Kaukasus und Zentralasien kontrolliert, hat Zugriff auf die - neben dem Nahen Osten - weltweit wichtigsten Energiereserven und verfügt damit auch über ein unschätzbares politisches Druckmittel. Interessen der USAUm die US-Interessen zu verstehen, ist es notwendig, sich folgende Tatsachen vor Augen zu führen. Den USA geht es u.a. darum, ihre Abhängigkeit vom Nahen Osten - nach wie vor die Region mit den größten Ölvorkommen - zu verringern und sich sozusagen ein zweites Standbein bei der Energieversorgung zu schaffen. Damit wären die USA auch in der Lage, die Energieimporte ihrer Verbündeten - v.a Westeuropa - zu kontrollieren und hätten somit ein politisches Druckmittel zur Verfügung. Zudem will Washington unbedingt verhindern, daß potentielle oder tatsächliche Gegner wie Rußland, der Iran oder China die Verfügung über die Vorkommen erringen. Diese divergierenden Interessen der Groß- und Regionalmächte kommen im Streit um die Route der geplanten großen Pipeline zum Ausdruck. Die USA drängen massiv auf einen Bau einer Pipeline, die vom Hafen in Baku ausgehend über Georgien und auf dem Landweg weiter über die Türkei bis zum Mittelmeerhafen Ceyhan führt. Hat Rußland ausgespielt?Naheliegenderweise versucht Rußlands Elite, einen Ausschluß aus dem Erdölgeschäft im Kaukasus zu verhindern. Jedoch ist erstens die russische Pipeline veraltet, zweitens gelten ihre Kapazitäten als zu gering und drittens - und dies ist das wichtigste Hindernis - verläuft die Route durch politisch höchst instabile Territorien, die sich z.T. außerhalb der Kontrolle Moskaus befinden (Tschetschenien und Dagestan) ! Trotzdem wäre es falsch, Rußland beim "Great Game" ums kaspische Öl bereits aus dem Rennen geworfen zu wähnen. Denn auch Georgien ist kein Hort der Stabilität. Zwar übt Präsident Schewardnadse seit 1992 die Macht in Tiflis aus, doch drei Regionen seines Landes entziehen sich weiterhin seiner Kontrolle: Abchasien, das sich durch den Bürgerkrieg (mit russischer Unterstützung) unabhängig machte, Ascharien sowie Südossetien, welches sich mit dem bei Rußland verbliebenen Nordossetien vereinigen möchte. Die Erdölpipeline verläuft genau zwischen den beiden abgespalteten Republiken Abchasien und Ascharien. Rußland, das 1994 eine sogenannte Friedenstruppe in die Region entsandte, kann somit Druck über Schewardnadse ausüben. Dadurch wird zwar die russische Pipeline über Dagestan und Tschetschenien nicht attraktiver, aber Rußland könnte im Poker um das Erdöl bestimmte Sicherheiten wie z.B. größere Anteilsrechte bei Konsortien o.ä. herausschlagen. Iran und TürkeiDer Iran ist wohl der große Unbekannte in dem "Great Game". Aus politisch-strategischen Gründen verhindern die USA ein Einbeziehen Teherans in die diversen Planungen. Doch die wirtschaftliche Logik spricht für den Iran. Das Land verfügt über ein gut ausgebautes Pipelinenetz mit Verbindungen vom Schwarzen Meer zu den Terminals am Persischen Golf, wo das Erdöl auf Tanker verladen werden kann. Zudem besteht die Möglichkeit eines "Swaps" (Tausches): Im Norden importiert der Iran aserbaidschanisches Erdöl und liefert in den südlichen Häfen das persische Erdöl, wodurch man sich den Transport durch das Land samt Kosten ersparen würde. Doch dem steht noch der politische Wille der USA sowie Israels entgegen. Politische Veränderungen in Iran und Druck seitens Rußlands und Chinas könnten in der Folge Änderungen in der amerikanischen Außenpolitik gegenüber dem Iran bewirken. Allerdings wäre eine entsprechende Pipeline auch für die persische Regierung ein zweischneidiges Schwert, da man damit Konkurrenz für die eigenen Erdölexporte fördern würde. Was kann erwartet werden?Der Ausgang dieses Tauziehens um die Pipeline Route ist noch offen. Wahrscheinlichste Option wäre wohl der künftige Betrieb mehrerer Pipelinerouten in der Region. Unter der Vorraussetzung, daß die Prognosen über die gewaltigen Erdölvorkommen in der Region zutreffen, ist zu erwarten, daß in den nächsten Jahren auf mehreren Routen von konkurrierenden Konzernen und Staaten Pipelines gebaut werden. Dies verbilligt zwar die Transportkosten, senkt aber die revenues für die Kaukasus - Staaten und verschärft die Spannungen zwischen diesen. Da die Großmächte aber nicht tatenlos zusehen werden wie ihr Zugriff auf wichtige Energiereserven durch Krisen und Bürgerkriege in den kaukasischen und zentralasiatischen Republiken gefährdet wird, werden vor allem die Westmächte (allen voran die USA) auf eine engere politische und auch militärische Anbindung der Region drängen. Ein "friedensschaffendes" Bombardement in Georgien oder Usbekistan mit anschließender Stationierung westlicher "Friedenstruppen" könnte so schon bald Wirklichkeit werden. Pax NATO - GUUAMDie US-Kaukasuspolitik geht davon aus, daß politisch-wirtschaftliche Interessen militärisch abgesichert werden müssen. Der US-Botschafter Mathew Nimitz postuliert diesbezüglich offen die Notwendigkeit einer "Pax NATO" - also eines durch die NATO abgesicherten "Friedens" (anders gesagt: eine Stabilität im Interesse des Westens). Der erste wichtige Vorstoß der USA in Richtung Etablierung besagter Pax NATO im Kaukasus und der Kaspischen Region stellt die Bildung der sogenannten GUUAM dar. Dieses Bündnis wird von fünf Staaten gebildet, deren Anfangsbuchstaben das entsprechende Signet ergeben: Georgien, Usbekistan, Ukraine, Aserbaidschan und Moldawien. Die GUUAM wurde 1998 gebildet (Usbekistan trat im April 199 bei). Ziel dieser Allianz ist die Annäherung an den Westen und die Zusammenarbeit mit der NATO. Den Regimes in dieser Region wurden mehr Auslandsinvestitionen und militärischer Schutz nach innen und außen versprochen. Den USA ermöglicht die GUUAM-Allianz einen direkten Zugriff auf die Region, nicht nur aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Abhängigkeit der GUUAM - Staaten, sondern längerfristig auch wegen der Stationierung US - amerikanischer Truppen in den betreffenden Ländern. So wurde vor einiger Zeit ein Vertrag zwischen dem Pentagon und Georgien bezüglich eines Trainingsprogramms für die georgische Armee unterzeichnet. |
" Wer den Kaukasus und Zentralasien kontrolliert, hat Zugriff auf die - neben dem
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"Politische Veränderungen im Iran und Druck seitens Russlands und Chinas könnten in der
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Statement"Trotz ihrer Rhetorik über eine Lösung, von der alle profitieren, teilen die USA in Wirklichkeit nicht diese unermüdlich von vielen US-Akademikern und Beamten gepredigte Meinung von den automatischen Vorteilen der neuen Weltordnung. Die wachsende Einmischung der USA in der trankskaspischen Region ist im höchsten Ausmaße strategisch oder gar geo-politisch und zielt auf die Ausweitung ihres Einflusses ab - und nicht jenem ihrer Mitbewerber. Sie kombiniert alle traditionellen Machtinstrumente: überlegenes Wirtschaftspotential und militärische Fähigkeiten ebenso wie das Versprechen einer Integration in den Westen... Die Vereinigten Staaten sehen drei Aspekte der transkaspischen Gleichung als wesentlich: Steigerung des Energieangebots für die Konsumenten, Ausschluss des Irans vom Einfluss auf Ausbeutung, Verschiffung, Entwicklung und Vermarktung der Energieprodukte; und das Abhalten eines Staates (d.h. Russland) von der Aufrechterhaltung eines Monopols über die lokalen Energiequellen"
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Die RegionRussische Föderation |